Klassiker heute - eine Frage des Stils
Ein Klassiker übersteht alle Zeitmoden, denn er ist in Design, Funktion und Gestaltung in seiner Zeit wegweisend, trendsetzend und stilbildend, er altert nicht. Seine Eleganz beruht auf der Klarheit seiner Form, der Güte seiner Materialien und seiner Funktionalität. In allen Epochen hat sich die Avantgarde der bildenden Künstler auch mit den Dingen des täglichen Gebrauchs beschäftigt. Produkt-Klassiker gibt es vom Automobil bis zum Zahnstocher.
Die Künstler und Architekten des Dessauer Bauhaus haben es stilisiert: Sie bauten Häuser, Möbel, Betten, kreierten Gebrauchsgegenstände und Luxusobjekte gleichermaßen. Die Stahlrohrmöbel von Le Corbusier, Eileen Gray, Walter Gropius und Mies van der Rohe setzten Zeichen. Sie werden heute in Reproduktionen aktualisiert, das Barcelona-Bett etwa von Mies (Stahlrohrrahmen, Matratze mit Nackenrolle, Kalbslederbezug) oder seine Zweisitzer und Liegesessel sind heute gefragter denn je. Der Freischwinger "Ceska" von Marcel Breuer aus dem Jahre 1928 besteht aus verchromten Stahlrohr, Wiener Geflecht und einem Natur-Buchenholzrahmen. Auf dem gleichen Prinzip beruhen die weltbekannten Thonet-Möbel aus den 1930er-Jahren, die der holländische Architekt Mart Stam entwarf. Sie verbinden ein besonders entspanntes Sitzgefühl mit erlesener Handwerkskunst. Der Lounge-Chair von Charles Eames - ein Unikat aus traditioneller Handarbeit - wird heute ebenso nachgebaut wie der Nierentisch von Noguchi, die Tube Light Stehleuchte oder die Tolomeo Lampe. Designer-Namen wie Eero Saarinen, Gerrit Tietveld, Charles Mackintosh und Philippe Starck haben Generationen von Liebhabern schöner und zeitloser Einrichtung glücklich gemacht.
In Finnland entwickelt Kaj Franck in den 50er Jahren die Klassiker-Geschirrserie Kilta, die als Teema in den 80er Jahren ein lebhaftes Revival erlebte. Der Clou war: Man richtete sich nicht an die Bedürfnisse einer kleinen exklusiven Minderheit, sondern an eine möglichst große Zielgruppe, die - wie in diesem Fall - von der innewohnenden Idee genauso profitierte wie von der Ästhetik.
Natürlich bergen die Reproduktion auch Gefahren, denn nicht selten schummelt sich ein Plagiat unter die edlen Objekte.
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